Gruene-Damen-und-Herren-b

In der Klinik Bad Cannstatt sind es 19 ehrenamtliche grüne Damen und Herren, die jede Woche mehrere Stunden Arbeit leisten. Claudia Krause, die für die Engagierten am Standort Katharinenhospital zuständig ist, erzählte von den ersten schwierigen Monaten der Pandemie. Im letzten Jahr, als sich die Infektionssituation zuspitzte, wurden sie schnell aktiv und übernahmen vor allem zusätzliche und für sie ungewohnte Aufgaben. Besuche in den Patientenzimmern waren nicht möglich, also führten sie zum Beispiel Temperaturkontrolle am Eingang durch, um das hauptamtliche Pflegepersonal zu unterstützen. Glücklicherweise erkrankte keiner von ihnen an dem Coronavirus und das Krankenhaus sorgte dafür, dass sie früh geimpft werden konnten.

Im Juli stehen nun sechs grüne Damen und Herren vor dem Cannstatter Klinikum und ich habe sie mit Sonnenblumen begrüßt. Ich bin nämlich nicht nur für den Wahlkreis zuständig, aber auch Sprecherin meiner Fraktion für Bürgerschaftliches Engagement. Ich bin gekommen, um Danke zu sagen. In Zeiten wie der Pandemie zeigt sich, wie unsere Gesellschaft zusammenhält. Der Einsatz der grünen Damen und Herren, die auch in der Hochzeit der Infektionszahlen den Pflegekräften ehrenamtlich zur Seite standen, zeigt das in ganz besonderer Weise.

Gisela Schneider, Landesbeauftragte der Grünen Damen und Herren für Baden-Württemberg, freut sich über die Gelegenheit, auf ihr Engagement aufmerksam zu machen. In Stuttgart gibt es die Helferinnen und Helfer im grünen Kittel seit 1980 und mittlerweile sind es mehr als 300 Ehrenamtliche in 14 Krankenhäusern und Pflegeheimen, die mit etwa 4 Stunden pro Woche als Krankenhaushelfer*innen aushelfen. Zu ihren zahlreichen Diensten gehört vor allem die Begleitung und seelische Unterstützung kranker und alter Menschen. Aber unzählige “kleine” Hilfen machen sie unverzichtbar: Sie laden Telefonkarten auf, lesen vor und haben vor allem Zeit für Gespräche, für die hauptamtliche Pflegekräfte keine Zeit haben. Besonders bekannt sind sie für ihren Bücherwagen, den sie durch die Stationen fahren.

Leider gibt es für dieses Ehrenamt nicht viele Nachwuchskräfte und die zukünftige Existenz dieser einzigartigen Unterstützung für Patientinnen und des Pflegepersonals ist ungewiss. Ich kenne die Nachwuchsschwierigkeiten gerade bei langfristigem Engagement und möchte durch das direkte Gespräch auch helfen, die Initiativen bekannter zu machen. Noch bessere Vernetzung mit der städtischen Freiwilligenagentur und Mund zu Mund Propaganda aber auch Presseöffentlichkeit sind wichtige Mittel, um neue helfende Hände zu gewinnen.

Darüber hinaus teilen die grünen Damen und Herren auch Herausforderungen mit anderen Klinikgästen und Beschäftigten. Die ÖPNV-Anbindung der Klinik Bad Cannstatt ist bis heute nicht gut gelöst. Die Klinik liegt auf einer Anhöhe, zehn Gehminuten von der S-Bahn-Haltestelle Nürnberger Straße entfernt, die auch nur beschränkt barrierefrei ist. Keine Buslinie fährt hinauf, was für Patient*innen und Helfer*innen eine Hürde darstellt. Ich hatte das Problem erst vor kurzem bei einem Rundgang zur Barrierefreiheit in der Stadt begutachtet und versprach, es bei Stadt und Deutscher Bahn nochmals zu adressieren.

Bei den grünen Damen und Herren kehrt derweil langsam wieder Normalität ein. Sie dürfen wieder Besuche in den Zimmern machen. Und auch ein bisschen feiern darf man nach den Anstrengungen des letzten Jahres wieder. Für den 18. August ist ein kleines Fest geplant, um gemeinsam Kraft für die Zukunft zu schöpfen.