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Als Sprecherin für bürgerschaftliches Engagement der grünen Bundestagsfraktion will ich die Keimzellen des vielbeschworenen gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland entdecken. Welches sind die Orte, an denen Menschen sich auf Augenhöhe miteinander austauschen können? Gibt es die Solidargemeinschaft und wenn ja, wo wird sie erlebbar? In der Eckkneipe, auf dem Marktplatz, im Verein oder in der Nachbarschaftshilfe?

Der Auftakt dieser Entdeckungsreise fand im Sommer in Stuttgart statt. Genauer: Im Ritterstüble im Stuttgarter Süden. Als die Kneipe im Sommer 2009 dicht machen sollte, konnten sich eine Hand voll Stammgäste schlicht nicht vorstellen, dass ihr „zweites Wohnzimmer“ einfach schließen sollte. Nachdem alle Versuche eine*n Nachfolger*in zu finden gescheitert waren, nahmen eben jene Stammgäste die Sache selbst in die Hand. Sie gründeten die „Tafelrunde des Ritters e.V.“ einen Verein, der als Rechtssubjekt die Pacht der Kneipe übernimmt und dessen Mitglieder seither den Laden schmeißen. Nachdem in der Anfangszeit vor allem ehrenamtliche Kräfte die Kneipe am Laufen hielten, können durch den Erfolg des Modells mittlerweile wieder hauptamtliche Mitarbeiter*innen beschäftigt werden. Besonders toll an dieser Erfolgs-Engagementgeschichte ist, dass nicht nur die ehemaligen Stammgäste, die um ihr Lokal fürchteten, vom Vereinsbetrieb des Ritters profitieren.

Seit der Gründung stemmt der Verein auch die traditionelle „Heslacher Hocketse“ auf dem Bihlplatz. Ein schönes Fest dass für viele alteingesessene wie auch zugezogene Heslacher*innen einen Pflichttermin im Sommerkalender darstellt.

Weiter geht’s im Stuttgarter Osten.

Unter dem Motto „Was die Eckkneipe mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt zu tun hat“ habe ich ins Laboratorium eingeladen. Mit mir diskutieren Anette Battenberg, die Geschäftsführerin der Laboratoriums und Irene Armbruster, die Geschäftsführerin der Bürgerstiftung Stuttgart. Sowohl das Laboratorium, ehrenamtlich getragenes soziokulturelles Zentrum seit 1972, als auch die Bürgerstiftung Stuttgart, setzen sich für ein offenes gesellschaftliches Miteinander in Stuttgart ein. Schnell diskutieren nicht mehr nur wir drei Frauen auf dem Podium. Die Menschen sind gekommen um mitzusprechen. Viele konstatieren, dass die Kneipen- und Treffpunktlandschaft in Stuttgart und anderswo in verschiedene Milieus diffundiert. Die Eckkneipen, in denen abends beim Feierabendbier der Maurer mit der Geschichtsprofessorin diskutiert, werden weniger. Trotzdem sind sich alle einig, dass Stuttgart ein enormes Potenzial an engagierten Einsatz für Andere mitbringt. So viele gute Initiativen und engagierte Menschen machen Mut für die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts.